BayPhil on tour - Korea 2010

Vom 1. bis 13. September 2010 ging das Münchner Jugendorchester zusammen mit der Jungen Münchner Philharmonie und einzelnen Mitgliedern der Kinderphilharmonie München und des Kammerorchesters der Bayerischen Philharmonie erstmals auf Konzertreise nach Südkorea.

Auf dem Programm standen u.a. Beethovens Egmont-Ouvertüre, Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert und Dvoráks Sinfonie aus der Neuen Welt.

Ab Mitte August 2010 probten rund 80 junge Musiker aus 11 Nationen unter der Leitung von Mark Mast und Alexandros Diamantis in unserem Probensaal in der Bäckerstraße; und im Anschluss hieß es dann für zwölf Tage "An-nyong-ha-seo" (Guten Tag!).

MJO_Gesamt_Korea 2010

Tourdaten:

3. September 2010, Seoul Art Center Concert Hall

4. September 2010, Goyang Alamnuri Alam Music Hall

5. September 2010, Daegu Donggu Cultural Center Hall

6. September 2010, Freizeit - Tongdosa Tempel

7. September 2010, Busan Citizen Hall

8. September 2010, Jinju Cultural Center Main Hall

9. September 2010, Haman Cultural Center

10. September 2010, Changwon Sungsan Art Hall

11. September 2010, Changwon Sungsan Art Hall

12. September 2010, Sungnam Art Center Concert Hall

"Ich will wieder zurück nach Korea!" - Ein Reisebericht von Lea Antony, 15 Jahre

„Ich will wieder zurück nach Korea!“ – immer mal wieder ist dieser Satz zu hören, in den Pausen der wöchentlichen Probe, in der S-Bahn auf den Hin- und Rückfahrten der Proben, sogar auf facebook, wodurch wir mittlerweile fast alle vernetzt sind. Ich selbst denke oft und sehr gern zurück. Es war eben auch eine ganz besondere Zeit. Für viele von uns war es der erste Aufenthalt in Asien, für die Jüngeren unter uns die erste Konzertreise überhaupt. Die Aufregung und Vorfreude aller war deutlich spürbar, als wir am 1.September 2010 in München abhoben und dem zweiwöchigen Abenteuer entgegenflogen. Gute 24 Stunden später war das Ziel erreicht, allerdings bei Nacht, sodass der erste Eindruck vom Land relativ gering ausfiel. Doch in den darauf folgenden zwei Wochen hatten wir genug Zeit, um uns ein Bild von den Landschaften, den Städten und auch den Menschen in Südkorea zu machen. Entgegen unserer anfänglichen Befürchtung, wir würden nur Korea’s Konzerthallen und Hotels von innen sehen, hatten wir vor und nach den Konzerten genug Zeit, um die jeweilige Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Hilfreich war hierbei, dass wir einige koreanische Musiker in unseren Reihen hatten, von denen wir in jeder Hinsicht profitiert haben. Abgesehen von ihrer musikalischen Unterstützung, halfen sie uns bei unseren alltäglichen Problemen mit der Kommunikation, der Wahl der Speisen, der Orientierung in den Städten. Längst nicht alle Koreaner, denen wir in Geschäften und auf der Straße begegneten, sprachen Englisch und auch die meisten Speisekarten waren nur in koreanischer Schrift vorhanden. Man hatte uns vor den roten Speisen gewarnt, diese seien besonders scharf. Einige Mutige ließen sich davon nicht abschrecken und hielten sich kategorisch an den Vorsatz „Es wird gegessen was auf den Teller kommt!“. Während sich in der ersten Woche noch viele von ihrem mitgebrachten Vorrat an Keksen und einigen wenigen harmlosen Speisen vom Supermarkt ernährten, bot die zweite Woche einige kulinarische Highlights, wie zum Beispiel die Einladung mit den Mönchen im Tongdosatempel zu speisen und einer anschließenden Besichtigung, oder das Barbecue-Restaurant mit den Tischgrillplatten, wo jeder selbst Koch spielen durfte. Das koreanische Schnitzel schmeckte wiedererwartend sehr gut und selbst „Kimtschi“, das Nationalgericht, schien den meisten zuzusagen.

Den einzigen freien Tag verbrachten viele am Meer, andere mit einer Shoppingtour in der Innenstadt von Busan, um einige Andenken und Mitbringsel zu kaufen und wieder andere nutzten die Gelegenheit um einmal richtig lang auszuschlafen und zu entspannen.

Die Nächte waren kurz, oft kehrten wir erst nach Mitternacht zum Hotel zurück, aber an Schlaf war dann nicht zu denken, es gab einfach immer soviel zu feiern, Geburtstage, die Erfolge der Konzerte,… Musikalisch erwartete uns gleich am ersten Abend die größte Herausforderung, zum Einen da wir in Korea’s größtem Konzertsaal spielten, zum Anderen da das Stück „Kyung-Hee Fantasia through the World“ des koreanischen Komponisten Kwon Yong-Jin zur Welturaufführung gebracht wurde. Insgesamt steigerten wir uns von Abend zu Abend, sodass wir Anfang der zweiten Woche auf dem Höhepunkt angekommen waren und uns besonders Dvorak’s Symphonie aus der Neuen Welt mit einer Leichtigkeit und Freude von den Fingern lief, die uns spüren ließ, dass wir die Hürde überwunden hatten. Dies hätten wir nicht geschafft ohne die Unterstützung der Profis aus der Jungen Münchner Philharmonie, aus anderen Landesjugendorchestern und aus dem Ausland, die die Lücken in der Orchesterbesetzung auffüllten und uns mit Leidenschaft, ohne Überheblichkeit und mit Geduld unter die Arme griffen. Das Prinzip des Top-Down-Coachings war aufgegangen.

Mehr noch, es entwickelten sich übergreifend tiefe Freundschaften, die noch heute gepflegt werden. Eine Sache, die aus meiner Hinsicht sehr erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass es auf der gesamten Reise keine einzige nennenswerte Auseinandersetzung zwischen den Orchestermitgliedern untereinander, sowie mit dem Organisationsteam gab. Dies ist längst nicht so selbstverständlich, es trafen hier über 90 Persönlichkeiten verschiedenen Alters und unterschiedlicher musikalischer Standpunkte aufeinander, sodass Meinungsverschiedenheiten eigentlich unweigerlich vorprogrammiert sein müssten. Doch der Aufenthalt lief so harmonisch ab, wie wohl niemand zu träumen gewagt hatte.

Es hat sich ein fester Kern von ca. 30 Leuten gebildet, der sich regelmäßig zur Probenarbeit trifft und die Freude ist jedes Mal groß, sich nach einer Woche wiederzusehen, sich auszutauschen und gemeinsam sowohl die altbekannten Stücke aufzufrischen, als auch sich an neue Stücke heranzutasten.

Wir alle freuen uns darauf, im Rahmen des Korea-Revival-Programms noch einmal die nahezu vollständige Konzertreise-Besetzung wiederzutreffen und gemeinsam unsere Stücke aus Korea nun auch in Deutschland vor heimischem Publikum zu präsentieren.

An dieser Stelle darf eines nicht fehlen: Von ganzem Herzen bedanken wir Orchestermitglieder uns bei Mark Mast, für seinen Mut und damit die Möglichkeit der Reise nach Südkorea, für seine Art uns musikalisch und menschlich mit Begeisterung, Sorgfalt und Toleranz zu begleiten und für sein riesiges Engagement rund um die Bayerische Philharmonie. Des Weiteren gilt unser Dank zwei Personen, ohne die die Umsetzung der Reise nicht möglich gewesen wäre: Zum Einen Claudia Schnauffer, die durch ihre perfekte Reiseplanung im Voraus, ihren tatkräftigen Einsatz vor Ort und ihre liebevolle und herzliche Begleitung für eine wunderschöne und entspannte Durchführung der Reise gesorgt hat. Zum Anderen Boris Braune, der den Kontakt mit der koreanischen Organisation am Laufen hielt, uns permanent mit Informationen versorgte und in Korea selbst sogar als Aushilfsmann beim Schlagwerk seinen vollen Einsatz brachte. Dann sind hier noch zu nennen Mathis Beutel (Fotograf) und Michael Kadirow (Kameramann) die die Reise bis ins kleinste Detail dokumentierten und viel zur guten Stimmung beitrugen, sowie unseren beiden engagierten Orchesterwarten Dorian Mast und Paul Schiffels, die auch während unseren Freistunden schufteten, um den nahtlosen Übergang zu Probe und Konzert zu ermöglichen und den Begleitpersonen Uli Schröder und Christian Benning, für die Entlastung der Organisation und ihre Toleranz. Wir werden uns immer an diese aufregende, bereichernde Konzertreise erinnern, soviel steht fest.

Und das neue Projekt ist ja schon in Sicht: Im September diesen Jahres heißt es dann „Auf nach Italien!“. Wer kommt mit?